12. Juni 2018

Neu entstehende Jobs in Europa: Datenanalyst

Wir starten eine neue Serie: Wir werden zukünftig regelmäßig über einen rasant wachsenden Job in Europa berichten und Ihnen einen Überblick darüber geben, was der Job beinhaltet, wie Sie Studierende oder junge Absolventen für diese Position rekrutieren und wie Sie sie im Rahmen ihres ersten Jobs oder Praktikums in diese Funktion einarbeiten. Dieses Mal werden wir den Datenanalysten vorstellen und haben hierzu Lancelot, einen Datenanalysten bei Jobteaser, interviewt, um praktische Einblicke in diesen Job zu erhalten.

Was ist ein Datenanalyst?

Ein Datenanalyst kann je nach Unternehmen, bei dem er arbeitet, vieles sein. Für Lancelot umfasst die Arbeit eines Datenanalysten zwei grundlegende Dimensionen: Verständnis des von ihm zu analysierenden Unternehmens und Verständnis der Art und Weise, wie das besagte Unternehmen analysiert wird.

Unternehmen sammeln heutzutage eine riesige Menge an Informationen bzw. Daten. Diese gewaltige Menge an Informationen wird als Big Data bezeichnet. Um den größten Nutzen aus all diesen Informationen über Kunden, Produkte und die Unternehmensleistung zu ziehen, untersucht der Datenanalyst die Daten, um zu ermitteln, welche Metriken jeder Akteur verfolgen muss und wie sie aufgrund der Datenlage reagieren sollten. So kann der Datenanalyst beispielsweise Aussagen darüber treffen, welche Kundenprodukte für welchen Kunden auf Grundlage seines Profils am geeignetsten sind, welche Supply Chain-Strategie am erfolgversprechendsten ist oder welche Änderungen am Customer Relationship Management vorgenommen werden müssen, um eine bessere Bindungsrate zu erzielen. 

Diese Doppelrolle der Analyse von Daten und ihres Verständlich-Machens für jedermann sowie das Fehlen von spezifischen Abschlüssen in diesem Bereich hat zur Folge, dass die meisten Datenanalysten einen Doppelabschluss (Joint Degree) haben oder einen entsprechenden Abschluss mit persönlichem Interesse an einem weiteren Bereich. Zu den häufig anzutreffenden Profilen gehören Studierende von Business Schools mit Interesse an Programmierung und Studierende der Ingenieurwissenschaften mit einem Joint Degree in Wirtschaft. Dieses Profil ähnelt in hohem Maße der Arbeit eines Produktmanagers, beispielsweise in Bezug auf die Vermarktung des Produkts innerhalb und außerhalb des Unternehmens und dem Projektmanagement, sowie der Arbeit an den technischen Aspekten des Produkts selbst.

Ein Datenanalyst ist kein Data Scientist, bei dem es sich um einen Ingenieur handelt, der kein Unternehmenswissen benötigt, um Daten in wichtige Erkenntnisse für jeden im Unternehmen zu übersetzen. Ein Datenanalyst ist auch kein Strategieberater, da sich diese mehr auf klare Fakten in der Unternehmensgeschichte konzentrieren als auf die Anwendung von Best Practices in ihrem Bereich.

Sourcing und Einstellung junger Talente

Lancelot empfiehlt, sich für einen Studierenden oder einen Absolventen einer Business School zu entscheiden, der ein persönliches Interesse an Software zeigt. Seiner Meinung nach „ist es einfacher, sich die Programmiersprachen selbst anzueignen, als Betriebswirtschaft und die Synthese von Daten zu erlernen“. Ein paar wenige Ingenieursprofile umfassen jedoch ebenfalls dieses Verständnis für Wirtschaft und Präsentationen: diese passen ebenfalls perfekt.

Wenn Ihr Unternehmen keine Abteilung für Datenanalyse oder Business Intelligence besitzt, sollten Sie vermeiden, jemanden mit wenig Arbeitserfahrung als ersten Datenanalysten einzustellen. Ihr Onboarding muss auf den Punkt stimmen und Ihre jungen Talente benötigen Unterstützung von erfahrenen Mitarbeitern, besonders bei dieser Art von Job ohne offizielle Ausbildung, um sie auf Geschäftsfälle vorzubereiten.

Um einen breiteren Kandidatenpool, insbesondere bei einem Einstiegsjob, anzulegen, sollten Sie nicht unbedingt krampfhaft jemanden auswählen wollen, der bereits Erfahrungen als Datenanalyst vorweisen kann. Lancelot empfiehlt an dieser Stelle, die Suche auf Personen mit einem ersten Praktikum im Produktmanagement, Web- oder Businessanalysten auszuweiten. Diese Kandidaten bringen sowohl in wirtschaftlicher als auch in technischer Hinsicht bereits ein Verständnis für die grundlegenden Ideen mit.

Wenn Ihr Unternehmen gut aufgestellt ist, können Sie auch einen Bewerber mit einem ersten Praktikum einstellen. In diesem Fall suchen Sie nicht nach jemandem mit der perfekten Kenntnis von Tech-Produkten: Geben Sie stattdessen jemandem eine Chance, der sich für Mathematik begeistert, sich an Programmierung versucht oder sogar einfach nur ein fortgeschrittener Excel User ist. Dies ist ausreichend für einen Anfänger mit einigen Kenntnissen über Geschäftsideen: Sie können sich dann auf das Erlernen der tatsächlich erforderlichen technischen Kompetenzen konzentrieren. 

Qualitäten, die ein guter Datenanalyst mitbringen sollte, sind logisches Denkvermögen, Kommunikationsfähigkeiten und Präzision. Der ideale Datenanalyst kann eine gesamte Präsentation über Daten halten ohne dabei eine einzige Zahl zu nennen, obwohl sich jeder einzelne seiner Punkte auf ebendiese Zahlen stützt: Er kann sich an die Menschen anpassen, mit denen er spricht, die in der Regel geschäftsorientierter sind und weniger Verständnis für Daten selbst besitzen.

Entfaltung des Potenzials junger Datenanalysten

Als ersten Schritt bei Einstellung eines neuen Datenanalysten muss Ihr Tech-Team die Herkunft aller Daten erläutern. Sie verfügen aller Voraussicht nach über eine große Anzahl nutzbarer Datenbanken: bitten Sie Ihr Team bei Ankunft eines neuen unerfahrenen Mitarbeiters diesem genau zu erklären, welche diese sind, wie sie funktionieren und was in jeder von ihnen zu finden ist. Dies fällt erheblich leichter, wenn Ihre Daten von Ihrem festen Team systematisch abgespeichert und geordnet werden.

Vergewissern Sie sich, dass Ihr neuer Mitarbeiter weiß, wie die Tools Ihres Unternehmens zu verwenden sind. Wichtige Instrumente hierfür sind VBA, R und Python. Lassen Sie erfahrene Angestellte ihre Arbeitsgewohnheiten mit den jungen Talenten teilen und vergewissern Sie sich, dass diese wissen, wie und wann sie die richtigen Tools verwenden.

Es sei an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, dass die Aufgaben eines Datenanalysten nicht nur den technischen Teil umfassen. Nehmen Sie sich die Zeit, jungen Talenten, die zu Ihrem Unternehmen dazustoßen, zu erklären, mit wem Sie im Rahmen ihres Jobs in Kontakt stehen werden. Wem müssen sie Ergebnisse vorstellen? Was sind die zentralen Herausforderungen für jede einzelne dieser Personen, welche Leistungsindikatoren sind für sie relevant und nach welchen Ergebnissen suchen sie? Haben sie bestimmte Gewohnheiten, bekommen sie Dinge gerne auf eine spezielle Art präsentiert, handelt es sich beispielsweise um jemanden, der lieber die Gründe für jede einzelne Schlussfolgerung verstehen möchte, oder jemanden, der sich mehr für die konkreten Vorteile neuer Maßnahmen interessiert? Wichtig wird hierbei auch, wie Sie Ihr Unternehmen in einem Online-Stellenangebot vorstellen.

Autor:
Lancelot de Ferrière
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