12. Juni 2018

Studentische Unternehmer optimal fördern

Bei der Karriereberatung geht es meist darum, Studierenden bei der Suche nach ihrem nächsten Studiengang oder ihrem Traumjob zu helfen. Am Ende eines Studiums steht in der Regel nicht die Gründung eines Unternehmens. Die Tendenz steigt jedoch stark, und das aus mehreren Gründen. Wir haben hier ein paar Tipps für die Beratung angehender Unternehmer zusammengefasst und welche Art von Events und Programmen Sie für diese Zielgruppe an Ihrer Hochschuleinrichtung einführen können.

Angehende Unternehmer beraten

Warum wollen sie ein Unternehmen gründen?

Ein guter Startpunkt für die Beratung ist es, nach der Motivation für die Gründung eines Unternehmens zu fragen. Einige Beweggründe sind vollkommen berechtigt und verdienen Ermutigung und Unterstützung. In anderen Fällen sind sich die Studierenden nicht bewusst, wie schwierig es ist, ein Unternehmen von Grund auf aufzubauen. Dann sollten Sie ihnen zu vermitteln versuchen, dass sie vielleicht doch noch nicht bereit dafür sind.

Einige Studierende wollen ein Unternehmen gründen, weil sie von niemandem abhängig sein möchten, andere legen Wert darauf, etwas mit eigenen Händen zu schaffen, und möchten vielleicht einen Beruf erlernen, den sie über ihr Unternehmen auszuüben hoffen, anstatt technische Fachkompetenz zu verkaufen. Wiederum andere haben ein spezifisches Projekt und möchten es wachsen sehen. In der Regel werden nicht diejenigen die besten Unternehmer, die keinen Chef haben oder viel Geld verdienen wollen, sondern diejenigen, die mit ihrem Unternehmen die Welt verbessern möchten.

Und schließlich gibt es die Gruppe derer, die ein Unternehmen gründen wollen, weil sie es cool finden, weil es nach Spaß klingt oder weil sie reich werden wollen. Sie sollten in der Lage sein, diejenigen ohne klare Motivation zu identifizieren, und ihnen angesichts des persönlichen Engagements, das nötig ist, um etwas von Grund auf aufzubauen und es zu einer Vollzeitaktivität zu machen, helfen, einen geeigneteren Weg zu finden.

Der richtige Zeitpunkt

Es gibt drei Zeitpunkte, zu denen Studierende Unternehmer werden können:

1. wenn sie ihr Studium abschließen. Dies ist der üblichste Zeitpunkt mit dem geringsten Risiko;

2. nach Abschluss ihres Studiums und nach dem Erlernen eines Berufs. In dem Fall verfügen sie über echte Fachkompetenz, die sie zusammen mit ihren Fähigkeiten aus der Hochschulbildung verkaufen können (besonders, wenn sie Unternehmertum als Hauptfach studiert haben);

3. während des Studiums. Sie können in ihrer Freizeit ein kleines Unternehmen gründen und vorbereiten, um es nach ihrem Abschluss weiter auszubauen.

Jeder Studierende geht auf eigene Art und Weise an das Unternehmertum heran. Einige sind risikoscheuer, andere sind bereit, sich trotz der Gefahr des Misserfolgs ins Abenteuer zu stürzen. Für sie zählt vor allem der Versuch. Es gibt so viele Faktoren, die berücksichtigt werden müssen, dass es nicht DIE Beratungsstrategie für alle Studierenden gibt.

Angehende Unternehmer auf die Zukunft vorbereiten

Während der Beratungsgespräche

Als Karriereberater können Sie zukünftigen Unternehmern einen Vorgeschmack darauf geben, was es heißt, ein Unternehmen zu gründen: Lassen Sie sie zum Beispiel an Kursen zum Thema Geschäftsstrategie teilnehmen oder ein Praktikum in einem Kleinunternehmen machen, um Gründer bei ihrer täglichen Arbeit zu erleben und zu verstehen, worum es wirklich geht.

Am einfachsten ist es natürlich, zu Beginn Unternehmensgründungskurse an der Hochschuleinrichtung zu absolvieren, falls solche angeboten werden. Ansonsten können Sie Events organisieren oder Referenten einladen, die ihre eigenen Unternehmen gegründet haben und ihr Wissen oder ihre Erfahrung gerne mit Ihren Studierenden teilen.

Sie können auch Werbung für Events machen, die von anderen Einrichtungen, typischerweise Gründerzentren, organisiert werden.

Zu Ihrem Job gehört es, angehende Unternehmer zu ermutigen und Ihnen nützliche Tipps zu geben, damit ihre Mühen von Erfolg gekrönt werden. Denken Sie daran, nicht herunterzuspielen, wie schwierig es ist, ein Unternehmen von Grund auf aufzubauen. Erzählen Sie Ihren Studierenden, dass es viel einfacher ist, mit anderen Mitgründern zu starten, da es viel zu tun gibt und es gemeinsam leichter ist, die nötige Disziplin aufzubringen.

Sie sollten auch kein Geheimnis aus ihren Plänen machen. Viele Gründer fürchten, jemand könnte ihre Idee klauen, wenn sie vor dem Start über ihr Projekt reden. Das Ergebnis ist, dass beim Anlauf niemand davon weiß, niemand investieren möchte oder, viel wichtiger, das Produkt oder die Dienstleistung kein echtes Bedürfnis erfüllt. Raten Sie Ihren Studierenden deshalb, schnellstmöglich auf den Markt zu gehen, damit sie ihr Produkt und ihr Geschäftsmodell an die Bedürfnisse und Wünsche des Marktes anpassen können.

Foren organisieren

Um Ihren Studierenden zu vermitteln, was Unternehmertum bedeutet und umfasst, können Sie Personen einladen, die ihr eigenes Unternehmen gegründet haben.

Durchsuchen Sie dafür die Alumni-Datenbank und wählen Sie Personen aus, die diese Entscheidung für sich getroffen haben. Die meisten von ihnen, vorausgesetzt, sie sind stolz auf das, was sie erreicht haben, werden sich über die kostenlose Werbung freuen und Studierenden ihrer ehemaligen Hochschuleinrichtung gerne helfen. Ein guter Tipp diesbezüglich: Halten Sie Kontakt zu Ihren ehemaligen Studierenden, damit Sie jederzeit auf sie zurückkommen können.

Laden Sie nach dem Event alle Teilnehmer zu einem Networking-Cocktail ein, damit die Studierenden spezifische Fragen stellen und die Gründer kennenlernen können. Sie können Ihrerseits die Gelegenheit nutzen, um Unternehmenspartnerschaften einzugehen, damit Ihre aktuellen Studierenden als Praktikanten in den von Ihren Ehemaligen gegründeten Start-ups Unternehmenserfahrung aus erster Hand sammeln können.

Einführung von Mentoring-Programmen

Fragen Sie Unternehmensgründer, ob sie Zeit für das Mentoring von Studierenden hätten, die in ihre Fußstapfen treten wollen: zum Beispiel eine Stunde pro Monat oder jedes Jahr eine Woche lang eine Stunde pro Tag. Das zweite Format wird von der Technischen Universität Cluster Grenoble INP angewendet, die jedes Semester Alumni aller Branchen kontaktiert und sie bittet, eine Woche lang Studierende und junge Absolventen zu betreuen. Sie nennen es Mentorship Week, und wir werden uns demnächst in einer Fallstudie im Detail damit befassen.

Die Copenhagen Business School hingegen hat ein Anmeldeformular eingeführt für jeden, der Mentoring für Studierende anbieten möchte. So verfügt sie stets über die richtigen Profile für die Unterstützung ihrer Studierenden. Dies ist eine fantastische Lösung, die nur wenig Aufwand erfordert. Für die Umsetzung und für optimale Ergebnisse benötigen Sie lediglich eine gute Strategie für die Kommunikation mit Ihren Alumni.

Konzentrieren Sie sich nicht nur auf Gründer! Bringen Sie Ihren Studierenden bei, wie man einen Elevator Pitch erstellt und einen Geschäftsplan ausarbeitet, und suchen Sie dann nach ehemaligen Studierenden, die Projekte dieser Art gerne unterstützen und Zeit oder Geld in sie investieren würden. Jeder Alumni kann mithelfen, indem er kostenlose Beratungen anbietet oder gegen Gewährung von Anteilen Geld für Projekte leiht, die sich noch in der Frühphase befinden.

Hackathons

Hackathons klingen, als seien sie für Programmierer gemacht, aber ihr Zweck geht weit über die Softwareentwicklung hinaus. Joshua Tauberer, ein erfolgreicher Veranstalter von Hackathons, definiert einen Hackathon als „ein Event egal welcher Dauer, bei dem Menschen zusammenkommen, um Probleme zu lösen“: Es muss also nicht unbedingt technisch sein, dafür aber sehr zielorientiert. Genau darum geht es bei der Gründung eines Unternehmens: eine Lösung für ein Problem zu finden und es dann überzeugend zu vermarkten.

Diese Definition Tauberers ist absolut präzise und einfacher umzusetzen, als es scheint. Sie brauchen lediglich einen großen Raum und – idealerweise – kostenloses Essen und Trinken. Bitten Sie die Studierenden, sich für das Event anzumelden und ihre eigenen Teams aus zwei bis fünf Mitgliedern zu bilden. Versuchen Sie, sich nicht einzumischen, da persönliche Beziehungen für ein nachhaltiges Projekt entscheidend sind. Bitten Sie die Teams dann, auszuwählen, welches Problem sie lösen möchten, sofern sie sich noch nicht entschieden haben. Versuchen Sie, Preise für die Sieger zu organisieren, von zusätzlichen Credits für den besten Elevator Pitch bis hin zur Finanzierung eines konkreten Projekts. Falls dies verwaltungstechnisch zu kompliziert ist, sollten neue Kopfhörer oder ein Abendessen in einem guten Restaurant es auch tun.

Online-Ressourcen

Die Initiativen, die wir angesprochen haben, können gute Ergebnisse erzielen, werden jedoch am besten durch langfristige Maßnahmen mit geringem Aufwand ergänzt. Erstellen Sie beispielsweise ein Online-Ressourcen-Verzeichnis. Er erfordert wenig Aufwand und bietet Ihren Studierenden jederzeit Unterstützung.

Auf dieser Ressourcen-Seite können Sie verschiedene Arten von Informationen sammeln, angefangen mit gedruckten Ressourcen, über die Sie in Ihrer Hochschuleinrichtung verfügen. Haben Sie beispielsweise Bücher zum Thema Erstellung von Geschäftsplänen in Ihrer Bibliothek? Dann geben Sie die entsprechenden Titel an. Kennen Sie Websites und Blog-Artikel, die für zukünftige Unternehmer von Interesse sind, wie beispielsweise die Website der European Confederation of Young Entrepreneurs?

Notieren Sie dann Informationen, die spezifisch für Ihre Einrichtung sind. Vielleicht haben Sie einen Karriereberater, der auf Unternehmensgründungsprojekte spezialisiert ist. Fügen Sie in dem Fall einen Link in Ihre Buchungssoftware für die Karriereberatung ein, damit die Studierenden ihn direkt auf der Seite finden können. Kontaktieren Sie Ihre Alumni und erstellen Sie eine Liste von Unternehmensgründern, die ihre Erfahrungen auf Anfrage gerne mit Studierenden teilen.

Legen Sie den Schwerpunkt zum Schluss auf lokale Informationen. Es wäre nützlich, Startup Accelerators in Ihrer Region aufzulisten sowie spezielle Förderprogramme für verschiedene Zielgruppen, besonders studentische Unternehmer, oder Projektarten, wie beispielsweise im Bildungswesen. Für Studierende, die bereits weiter sind, können Sie die Kontaktdetails von Wirtschaftsanwälten hinzufügen.

Gute Investition, gute Ergebnisse: die Entwicklung von Unternehmerprogrammen

Diese letzte Möglichkeit, angehenden Unternehmern unter die Arme zu greifen, ist am schwierigsten umzusetzen, aber auch am vielversprechendsten. Beachten Sie, dass Sie für die Umsetzung und für echte Ergebnisse die Unterstützung von allen Akteuren in Ihrer Einrichtung benötigen.

Ist die Zahl angehender Unternehmer hoch, ist es vielleicht ratsam, ein Gründerzentrum einzurichten und den Studierenden kostenlose Büros, gewisse Fördermittel, angepasste Unterrichtszeiten und Beratung zur Verfügung zu stellen. Sie können auch technische Tools hinzufügen, um sie zu unterstützen: unter anderem 3D-Drucker, mit deren Hilfe sie günstige Prototypen anfertigen können, um sie potenziellen Investoren zu präsentieren. Zur Kostensenkung und zur Diversifizierung der Fachgebiete Ihrer angehenden Unternehmer können Sie ein Netzwerk von Einrichtungen aus der gleichen Stadt, aber mit unterschiedlichen Spezialisierungen aufbauen. Die Stockholm University zum Beispiel besitzt ihr eigenes Gründerzentrum, das alle Studiengänge umfasst, unabhängig von der Spezialisierung.

Eine weitere Lösung, die sich ein wenig leichter umsetzen lässt, aber für die Studierenden dennoch von Bedeutung ist, besteht darin, eine Option „Unternehmertum“ in den klassischen Studiengang zu integrieren. Die Emlyon Business School zum Beispiel bildet Teams von vier oder fünf Studierenden und lässt sie ein Semester lang einen Tag pro Woche an einem fiktiven oder echten Unternehmensprojekt arbeiten. Sie müssen es komplett von Grund auf erstellen und am Ende des Semesters einen Finanzierungsplan einreichen, der wie jede andere Semesterarbeit benotet wird.

Beginnen Sie Ihre Beratungsarbeit, indem Sie herausfinden, ob und wann eine Unternehmensgründung für die Studierenden, die Sie beraten, richtig ist. Organisieren Sie dann Events, die sie optimal unterstützen, zum Beispiel Foren, Mentoring-Kurse oder Hackathons. Die Ausarbeitung und Einführung von Unternehmerprogrammen in Ihrer Hochschuleinrichtung oder in Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen ist das Schwierigste, aber gleichzeitig auch das Beste, was Sie für Ihre angehenden Unternehmer tun können.

Autor:
Imke Müller-Wallraf
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