11-16-2018

Wie die University of York das Studierendenerlebnis optimiert

Hannah Smith, Head of Operations for Careers and Placements an der University of York, sprach am Career Services Day 2018 über Maßnahmen der University of York, um das Studierendenerlebnis an ihrer Hochschule zu optimieren.

Die Universität verfügt über ein rund 40-köpfiges Career-Services-Team für 18.100 Studierende, das im “Teaching Excellence Framework“, einem nationalen Hochschul-Ranking, mit Gold ausgezeichnet wurde. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über das “York-Strengths-Programm“, eine von dem Team eingeführte Initiative zur Beschäftigungsfähigkeit.

York Futures und wie man Beschäftigungsfähigkeit in die Studiengänge integriert

Im Laufe des vergangenen Jahres hat die Abteilung Careers and Placement der University of York eine neue Fünfjahresstrategie ausgearbeitet. Diese Strategie basiert auf drei Hauptzielen:

  • Prägnante und anschauliche Darlegung der Initiative und der Präsentation eines klaren "Fahrplans“, um allen Studierenden zu helfen, die verfügbaren Möglichkeiten auszuloten
  • Erforschung der positiven Merkmale der Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden
  • Erfahrungssammlung, die die persönliche und berufliche Entwicklung unterstützen

Das erste Ziel der Strategie, eine „prägnante und anschauliche Darlegung der Initiative und die Präsentation eines klaren Fahrplans“, ist die Aufgabe von York Futures, einem Sammelbegriff für alle Initiativen zum Thema Beschäftigungsfähigkeit.

" Ziel von York Futures ist es, unseren Studierenden die Gelegenheit zu geben, mehr über sich selbst als Menschen zu lernen und zu erfahren, und ihnen darauf basierend Möglichkeiten zu bieten, die positivsten Merkmale ihrer Beschäftigungsfähigkeit weiter fördern. Wir machen dies von Beginn des Studiums. Studienanfänger denken im ersten Studienjahr noch nicht unbedingt über ihre Karriereaussichten nach. Unsere Herausforderung besteht also darin, positive Botschaften geschickt zu verstärken und sie dazu zu bringen, so früh wie möglich über ihre individuellen Stärken nachzudenken."

Hannah Smith

York Futures und das Studierendenerlebnis

Das Modell des sozialen Wandels steht im Mittelpunkt dieser Strategie: Jede Initiative muss dem Einzelnen, der Gruppe und der Gesellschaft als Ganzem zugutekommen. Während eines drei- oder vierjährigen Studiengangs durchlaufen Studierende folgende drei Phasen:

🏁 Reise beginnen: Die Initiative startet im ersten Studienjahr und richtet den Fokus auf ein gesteigertes Selbstbewusstsein der Studierenden. Ohne Druck auf die Studierenden auszuüben, ermutigt das Programm sie, über ihre Stärken und Vorlieben nachzudenken.

💪 Erfahrungen sammeln: Die Studierenden erforschen verschiedene Optionen, um ihren Platz und die Gruppen zu finden, denen sie angehören wollen. Dazu gehört unter anderem, sich Studierendenorganisationen anzuschließen, an bestimmten Aktivitäten teilzunehmen und Freiwilligenarbeit zu leisten. Die Studierenden haben außerdem die Möglichkeit, sich für den York Award zu bewerben - ein Zertifikat, das Arbeitgebern die aktive Beteiligung der jeweiligen Studierenden am Universitätsleben bescheinigt.

👔 Job finden: Im Laufe des dritten (und eventuell vierten) Studienjahrs geht es für die Studierenden darum, Entscheidungen zu treffen und den Kontext zu finden, in dem sie der Gemeinschaft als Ganzes am besten dienen können. Der Wunsch ist, dass die Studierenden während ihrer Zeit an der University of York selbstbewusster werden und eine stärkere Resilienz entwickeln, um gut auf die Arbeitswelt vorbereitet zu sein. Während dieser Zeit können sich die Studierenden für den York Award Gold bewerben, ein Zertifikat der Universität, das ihr Engagement für ihre persönliche und berufliche Entwicklung unterstreicht.

Das York-Strengths-Programm: Herausfinden, was jeden Studierenden einzigartig macht

Identifizierung der wichtigsten Soft Skills für die Berufswelt

Stärken definieren uns als Individuen. Sie sind nicht nur das, worin wir gut sind, sondern verleihen uns darüber hinaus Energie und motivieren uns. Weil Menschen, die ihren Beruf mögen, seltener unter Stress und Ängsten leiden, ermutigt die University of York ihre Studierenden aktiv, ihre Stärken zu identifizieren, damit sie nach ihrem Abschluss Karriereentscheidungen treffen, die sich wie selbstverständlich an ihren Stärken orientieren.

Das York-Strengths-Programm wurde in Zusammenarbeit mit Arbeitgebern entwickelt. Am Anfang stand die Identifizierung einer Reihe wichtiger Soft Skills, die man sich von hervorragenden Nachwuchskräften wünscht. Die neun Stärken von York sind:

  • Einklang-Sucher: jemand, der um perfekte Übereinstimmung zwischen seinem wahren Ich und seiner Arbeit bemüht ist
  • Problemlöser: jemand, der Freude daran hat, komplexe Informationen zu analysieren
  • Vordenker: jemand, der sich von Veränderungen motivieren lässt und Herausforderungen auf originelle und innovative Weise angeht
  • Selbstoptimierer: jemand, der aktiv nach ehrlichem Feedback sucht, um seine persönliche Entwicklung voranzubringen
  • Agiler Lerner: Menschen, die für ihr Leben gern lernen und in der Lage sind, neues Wissen schnell zu erwerben und anzuwenden.
  • Digitaler Konnektor: jemand, der Freude an den Möglichkeiten der neuen Technologien hat
  • Resilienter Erfolgsmensch: jemand, der sich permanent antreibt und hart arbeitet, um seine Ziele zu erreichen
  • Beziehungs-Aufbauer: jemand, der ehrliche Beziehungen aufbaut und gerne mit anderen zusammenarbeitet
  • Authentischer Kommunikator: jemand, der offen gegenüber Menschen aller Kulturen und Ebenen ist, seinen Kommunikationsstil anpasst und gleichzeitig seinen Überzeugungen treu bleibt

80 % der Arbeitgeber im Vereinigten Königreich achten stärker auf die Soft Skills als auf das Fach, das ein Studierender studiert hat. Dank der Zusammenarbeit mit wichtigen Arbeitgebern konnte das York-Strengths-Programm die Erwartungen der Arbeitgeber verstehen und die Stärken identifizieren, die in Zukunft gebraucht werden.

Als Teil des Programms werden alle Studienanfänger zu einem eintägigen Workshop eingeladen. Während dieses Workshops lösen sie gemeinsam in Sechsergruppen mehrere Herausforderungen. Jeder Studierende hat einen zugewiesenen Beobachter. Am Ende des Tages liefert der Beobachter dem Studierenden individuelles Feedback und konzentriert sich dabei auf die zwei wichtigsten Stärken, die der Studierende während des Workshops an den Tag gelegt hat. 

Der Tag beginnt mit einem Arbeitgebervortrag über die aktuellen Anforderungen an die Studierenden in der Berufswelt. In diesem ersten Teil des Workshops geht es vor allem darum, den Studierenden den Ablauf des Tages zu erklären, und sie auf den Tag vorzubereiten, um sie zu einer aktiven Teilnahme an den Aktivitäten zu ermutigen, damit ihr Verhalten beobachtet werden kann.

Ein wichtiges Merkmal des York-Strengths-Programm ist es, die Schwächen der Studierenden bewusst nicht zu erwähnen. Ziel des Tages ist es, den Studierenden dabei zu helfen, mehr über sich, ihre natürlichen Talente und ihre Vorlieben herauszufinden. Für einige Studierenden ist dies selbstverständlich eine Herausforderung. Sie sind frustriert, weil sie nicht wissen, in welchem Bereich sie sich verbessern sollen (dies kommt häufig bei Studierenden mit einem hohen Maß an Resilienz vor!). Für Hannah Smith liegt dies „am Schulsystem, das es den Studierenden schwer macht zu akzeptieren, dass sie nicht in allem hervorragend sein können. Studierende an der York wollen Jahrgangsbeste sein, wollen bessere Noten und streben nicht zuletzt aufgrund des Drucks der steigenden Studiengebühren permanent nach Perfektion. Wir möchten jedoch, dass unsere Studierenden wissen, worin sie gut sind, und ihnen nicht noch einen weiteren Grund geben, sich selbst Druck zu machen.“

Die Teilnahme am Strengths-Programm ist nicht verpflichtend, doch Mundpropaganda und eine intensive Marketingkampagne locken die Studierenden zum Workshop. Die Universität arbeitet an dem Ziel, alle Erstsemester zur Teilnahme an diesem eintägigen Event zu bewegen. Die Workshops werden nächstes Jahr im Frühling- und Sommersemester stattfinden, und man kann davon ausgehen, dass das Team der York nach der vergangenen Veranstaltung im Sommersemester weiß, wie man die Teilnahmebereitschaft der Studierenden maximiert. Die Nachmittags-Sessions erwiesen sich als erfolgreicher als die Vormittags-Sessions. Gesunde, energiereiche Snacks sorgten dafür, dass die Motivation den ganzen Tag über anhielt.

Überwindung von Ängsten und Druck durch die Identifizierung von Stärken

Die psychische Gesundheit ist für viele Hochschulen im Vereinigten Königreich und in ganz Europa ein prioritäres Anliegen. Wie bereits erwähnt, übt das Schulsystem Druck in der Form von Noten und Ranglisten auf die Studierenden aus. Dazu kommt Druck seitens der Eltern aufgrund von Studiengebühren und eventuell von Kommilitonen durch Mobbing in den sozialen Medien.

Ein Hauptmerkmal des York Strengths Day ist, dass er den Studierenden ein sicheres Umfeld bietet: Sie werden daran erinnert, dass es sich nicht um einen Test handelt und das Programm nicht dazu dient, sie in irgendeiner Weise zu beurteilen. Die Beobachter und das Personal sind darin geschult, Anzeichen für Überforderung bei einem Studierenden zu entdecken. So können sie ihn beruhigen und an die zuständigen Stellen verweisen, sollten weitere Maßnahmen notwendig sein. Auf diese Weise steht den Studierenden bei Bedarf stets Hilfe zur Verfügung, besonders falls sie unter sozialen Ängsten leiden.

Außerdem hat die University of York kürzlich eine halbe Million Pfund in die psychische Gesundheitsvorsorge investiert. Es gibt eine rund um die Uhr besetzte Samariter-Hotline, Beratung, sowie ein Open-Door-Team aus Fachleuten für psychische Gesundheit.

Wie wird das York-Strengths-Programm in das Studium integriert?

Ab dem zweiten Studienjahr werden die Studierenden aktiv dazu ermutigt, sich an Aktivitäten und Angeboten zu beteiligen, die ihre beiden wichtigsten Stärken weiter fördern. Hannah Smith fügt hinzu: „Wir haben überlegt, ob wir das Wort Leadership in den Namen des Programms einbeziehen sollten. Aber nicht jeder ist ein Anführer oder möchte einer sein. Und das ist ok so. Wir wollen zeigen, dass das in Ordnung ist. Jeder hat seine Stärken und ein Team von Anführern bringt ohne weitere Fähigkeiten nicht viel zustande.“

Wir hoffen, dass die Studierenden an der University of York durch das Strengths-Programm selbstbewusster werden und die Fähigkeit entwickeln, ihre Erfahrungen mit ihren Stärken zu verbinden. Indem sie Erfahrungen rund um ihre Stärken sammeln, entwickeln die Studierenden ein tieferes Verständnis ihrer Vorlieben und Neigungen. Wenn es an Einstellungsgespräche geht, sind die Studierenden dank des Strengths-Programms in der Lage, offen über ihre wichtigsten Stärken zu reden und relevante Beispiele zu nennen, die ihre Erfahrungen in Bezug zu ihren Stärken setzen.

Das Ziel der Fünfjahresstrategie der University of York ist dreifach: ein wirkungsvolles Maß an Vorbereitung für die Studierenden zu erreichen, die Studierenden während ihrer Zeit an der York weitaus früher zu binden und York innerhalb des Hochschulsektors an der Spitze des Supports für Beschäftigungsfähigkeit zu positionieren.

Indem wir den Studierenden die Möglichkeit geben, ihre persönlichen Triebfedern und Motivationen besser zu verstehen, Selbstreflexion zu üben, Karrieremöglichkeiten zu erkunden und relevante Berufserfahrung zu sammeln, hoffen wir, dass sie in der Lage sind, Karriereentscheidungen zu treffen, die sich an ihren Stärken orientieren und damit richtig für sie sind.

Autor:
Sara Chatterjee
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